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„Einmal fast sterben um wieder zu leben“

Mit 39 bekommt Heidi Buck eine für Sie völlig unerwartete Diagnose – aggressiver Lymphdrüsenkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Mehr als zwölf Monate dauern die Therapien mit Stammzellen und Blutkonserven, 17 Jahre nach ihrer Krankheit steht die Frau aus Parchau bei Magdeburg heute wieder mitten im Leben und sagt: „Blutspenden haben mich gerettet“.

Frau Buck, zunächst einmal vielen Dank, dass Sie bereit sind uns Ihre bewegende Geschichte zu erzählen!

Sehr gern. Ich bin nur einer von vielen Menschen, denen durch Spenderblut wirklich lebenswichtige Hilfe zuteil geworden ist. Insofern ist dies für mich auch ein Weg stellvertretend einmal allen Blutspendern danke zu sagen und mich für die DRK-Blutspende einzusetzen.

Was genau geschah vor 17 Jahren, im Jahr 1999?

Ich hatte das ganze Jahr über viel zu tun und freute mich daher umso mehr auf die freien Tage rund um Weihnachten. Endlich „runterkommen“, auch mal wieder Zeit für sich haben und den lange aufgeschobenen Termin beim Hausarzt wahrnehmen, dachte ich. Denn als langjährige Blutspenderin war mir bereits empfohlen worden, aufgrund meines sehr niedrigen Hämoglobinwertes einen Arzt zu konsultieren. Zudem bemerkte ich während dieser Zeit, dass sich mein Körper verändert und sich mein Bauch unnatürlich verformt hatte. Das war für mich der entscheidende Impuls, endlich zum Arzt zu gehen. Und schon nach den ersten Untersuchungen war klar: Es ist Lymphdrüsenkrebs, dazu im fortgeschrittenen Stadium.

Wie war es für Sie, von jetzt auf gleich eine solche Diagnose zu bekommen?

Als erster Gedanke ging mir durch den Kopf: Das war’s. Ich hatte bereits einiges gehört über diese aggressive Art des Krebs und stellte mir vor, dass ich ab jetzt wohl nicht mehr lange zu leben habe. Allerdings machten mir die Mediziner Hoffnung und sagten, dass man mich durch Chemotherapie und Bestrahlung heilen könnte. Ab da begann für mich sozusagen die erste Etappe eines monatelangen Marathons.

Ihre erste Therapie dauerte ein knappes halbes Jahr. Waren Sie während dieser Zeit bereits auf Spenderblut angewiesen?

Ja, nach dem dritten Zyklus der Chemotherapie wurden meine Blutwerte immer schlechter, so dass ich das erste Mal auf Spenderblut angewiesen war. Man merkt plötzlich wie entscheidend es ist, dass immer ausreichend Blutkonserven verfügbar sind!

Nach Chemo und Kur galten Sie eigentlich als geheilt. Doch bereits wenige Monate später kam die ernüchternde Diagnose: Der Krebs ist zurück.

Ich bin direkt nach meiner abgeschlossenen Therapie wieder arbeiten gegangen. Fast zufällig bemerkte ich beim Kaffee mit einer Kollegin, dass mein Lymphknoten am Hals wieder geschwollen war. Mir war sofort klar, dass das nichts Gutes bedeuten konnte und in der Uniklinik in Magdeburg wurde mir dann auch bestätigt, dass der Lymphdrüsenkrebs wieder zurück ist.

Ihre Ärzte haben sich dann für eine Stammzellentransfusion entschieden?

Gott sei Dank waren meine eigenen Stammzellen noch nicht vom Krebs befallen, so dass sie mir entnommen und wieder transfundiert werden konnten. Allerdings ist die Behandlung mit Stammzellen für den eigenen Körper eine große Belastung. Mein behandelnder Arzt verabschiedete mich mit den Worten: „Ich wünsche dir viel Glück – du wirst jetzt einmal fast sterben müssen, um wieder zu leben.“

Stimmt es, dass während der Behandlung mit Stammzellen sogar Ihre Kollegen extra für Sie gespendet haben, weil nicht genügend Blut verfügbar war?

Ja, in der Tat. Im Vorfeld haben wir noch gescherzt, dass wir uns mit unserer seltenen Blutgruppe A Rhesus negativ ja gegenseitig unterstützen könnten, wenn dem Anderen mal etwas zustößt. Es war ein tolles Gefühl, diese direkte Hilfe meiner Kollegen zu bekommen. Gleichzeitig aber war es auch beängstigend zu wissen, dass das eigene Überleben davon abhängt, dass immer genug Menschen zur Blutspende gehen.

Obwohl viele Menschen dazu in der Lage wären, spenden derzeit nur 4% der Bevölkerung in Deutschland Blut. Warum ist aus Ihrer Sicht die Blutspende so wichtig?

Jeden Tag sind Menschen darauf angewiesen, dass Ihnen bei schweren Operationen, bei Notfällen oder wie bei mir in der Krebstherapie durch Spenderblut geholfen werden kann! Mein Beispiel zeigt, dass im Prinzip jeder von jetzt auf gleich eine Diagnose bekommen kann, die das eigene Leben maßgeblich verändert. Blutspenden ist so einfach und dauert nur wenige Minuten, kann aber im wahrsten Sinnen des Wortes für andere lebenswichtig sein!

Frau Buck, vielen Dank für das Gespräch!